Abläufe & Prozesse
Kennzahlen für Onlineshop-Abläufe: Durchlaufzeit, Fehlerquote und Kosten
Wer die Abläufe eines Onlineshops steuern will, braucht nicht ein Dutzend Kennzahlen, sondern drei konsequent erhobene Werte: die Durchlaufzeit eines Auftrags, die Fehlerquote entlang des Ablaufs und…
Ablaufkennzahlen im Onlineshop: warum drei Werte den Unterschied machen
Wer die Abläufe eines Onlineshops steuern will, braucht nicht ein Dutzend Kennzahlen, sondern drei konsequent erhobene Werte: die Durchlaufzeit eines Auftrags, die Fehlerquote entlang des Ablaufs und die Kosten pro Bestellung. Diese drei Werte greifen ineinander: Eine längere Durchlaufzeit erzeugt Rückfragen zum Liefertermin, diese wiederum Stornos und Zusatzaufwand in der Nachbearbeitung. Jeder Fehler – eine falsch erfasste Adresse, eine beschädigte Sendung, eine nicht abgeholte Lieferung – erzeugt einen zweiten Versand, eine Ersatzlieferung oder eine Retoure und damit Kosten, die in der Kalkulation der Bestellung ursprünglich nicht vorgesehen waren.
Der österreichische Onlinehandel ist stark von Klein- und Mittelbetrieben geprägt, die selbst aus Österreich versenden und ihre Produkte teils im eigenen Haus fertigen. In den Versandbedingungen eines heimischen Anbieters heißt es etwa: „Der Versand erfolgt ausschließlich aus Österreich“ – mit der Österreichischen Post, optional DPD oder GLS. Bei solchen Betrieben fallen Produktions-, Bearbeitungs- und Versandzeit in unterschiedlichen Abschnitten an und werden in getrennten Systemen erfasst. Der folgende Abschnitt zeigt zuerst, wo die Durchlaufzeit beginnt und endet, dann, an welchen Messpunkten sie erhoben wird, warum Beschaffungszeiten der Lieferanten zu niedrig angesetzt werden, welche Fehler in die Fehlerquote gehören und welche Kosten pro Bestellung und pro Fehlerfall anfallen.
Wichtige Kennzahlen für Onlineshop-Abläufe in Österreich
- Durchlaufzeit
- Gesamte Zeit von Auftragseingang bis Zustellung
- Kosten pro Bestellung
- Versandkosten + Nachsendungen + Retouren
Durchlaufzeit: Definition und die Frage, wo sie beginnt und endet
Die Durchlaufzeit ist die gesamte Zeit, die ein Auftrag im System verbringt – vom Freigabe- bis zum Fertigstellungszeitpunkt. Im Onlineshop zerfällt diese Spanne in zwei getrennt zu messende Strecken: die interne Bearbeitungs- und Produktionszeit ab Auftragseingang und die reine Versandzeit ab Übergabe an den Zustelldienstleister bis zur Zustellung. Wer beide Strecken in einen einzigen Wert presst, kann nicht erkennen, wo eine Verzögerung entsteht – in der eigenen Werkstatt oder auf der Straße.
Ein österreichischer Anbieter, der Bestellungen individuell im DTF-Druck fertigt, nennt in seinen Versandbedingungen eine übliche Produktions- und Bearbeitungszeit von 4 bis 5 Werktagen für Bestellungen bis zu 5 Stück und weist darauf hin, dass es bei erhöhtem Bestellaufkommen zu geringfügigen Verzögerungen kommen kann. Für größere Mengen ab etwa 6 Stück wird vorab Kontakt aufgenommen, um Produktionszeit und Liefertermin abzustimmen und gemeinsam einen verbindlichen Liefertermin zu vereinbaren. Die Produktionszeit ist also nicht konstant, sondern hängt vom Bestellvolumen ab.
Entscheidend ist die Abgrenzung: Die Lieferzeiten der Zusteller beziehen sich ausdrücklich auf den Zeitraum nach dem Versand, nicht auf die Produktionszeit. Wird diese Unterscheidung in der Kommunikation nicht sauber gezogen, entsteht die häufigste Ursache falscher Kundenerwartungen – die Kundin rechnet ab Bestellung mit der reinen Versandzeit und nicht mit der vorgelagerten Fertigung. Die Durchlaufzeit endet für die Kundin erst mit der Zustellung, während sie für die interne Steuerung schon mit der Übergabe an den Versanddienstleister abgeschlossen sein kann.
Messpunkte festlegen: von der Bestellbestätigung bis zur Sendungsverfolgung
Messbar wird die Durchlaufzeit nur über Zeitstempel an klar definierten Punkten: Bestelleingang, Zahlungseingang, Kommissionierung und Produktion, Übergabe an den Versanddienstleister und Zustellung laut Tracking. Jeder dieser Zeitpunkte sollte automatisch im System gesetzt und nicht nachträglich geschätzt werden, sonst sind die Werte zwischen zwei Auswertungen nicht vergleichbar.
Der Zahlungseingang verschiebt den Startpunkt der Bearbeitung je nach Zahlungsart. Für Zahlungsarten, die eine sofortige Bestätigung liefern, wird eine kurze Bearbeitungszeit angenommen – bei PayPal oder Nachnahme, letztere nur in Österreich möglich, nennt ein österreichischer Shop eine Bearbeitungszeit von maximal einem Tag. Bei Zahlungsarten, deren Eingang erst später feststellbar ist, beginnt die Bearbeitung entsprechend später; diese Differenz gehört in der Auswertung nach Zahlungsart getrennt ausgewiesen, weil sie sonst als scheinbare Prozessverzögerung erscheint.
Nach dem Versand gelten für die Destination unterschiedliche Lieferzeiten: im genannten Beispiel 2 bis 5 Werktage für Österreich, 3 bis 7 Werktage für Deutschland und 4 bis 10 Werktage für das EU-Ausland, jeweils gerechnet ab Versand. Die Versandbestätigung per E-Mail enthält, falls verfügbar, einen Tracking-Link und markiert damit den Endpunkt der internen Bearbeitung sowie den Zeitpunkt, ab dem die Kundin den Status selbst nachverfolgen kann. Rechtlich sind die Angaben zum Versand nicht frei wählbar: Nach dem in Österreich geltenden Fern- und Auswärtsgeschäftegesetz (FAGG) zählen zu den wesentlichen Bestimmungen Informationspflichten bei Fernabsatzverträgen, Angaben über Lieferbeschränkungen und Zahlungsmittel sowie Vorgaben zur Lieferfrist bei Kaufverträgen.
Für die Zustellung an Abholstationen oder Abholboxen der Österreichischen Post gilt derselbe Messpunkt wie bei der Haustürzustellung, die Zustellung laut Tracking; der Unterschied liegt in den Kosten und in der Wahrscheinlichkeit, dass eine Sendung nicht abgeholt wird.
Vergleich von Lieferzeiten nach Zielregion (Österreich, Deutschland, EU-Ausland)
- Österreich
- 2–5 Werktage ab Versand
- Deutschland
- 3–7 Werktage ab Versand
- EU-Ausland
- 4–10 Werktage ab Versand
Beschaffungs- und Lieferzeiten der Lieferanten richtig einkalkulieren
Viele Warenwirtschaftssysteme berechnen die angezeigte Lieferzeit automatisch nach einer festen Formel: Lieferzeit des Produkts beim Standardlieferanten plus zusätzliche Bearbeitungszeit im Artikel plus globaler Bearbeitungszeitaufschlag des jeweiligen Verkaufskontos. Genau hier liegt das Problem: Fehlt eigener Bestand, wird ausschließlich der Standardlieferant herangezogen – auch dann, wenn dieser selbst keinen Bestand hat und auf einen Alternativlieferanten ausgewichen werden muss, der eine eigene, längere Lieferzeit hat. Diese längere Lieferzeit fließt nicht in die automatische Berechnung ein, und im Shop erscheint eine unrealistisch kurze Lieferzeit.
Die Gegenmaßnahme besteht aus drei Teilen, die unabhängig vom eingesetzten Warenwirtschaftssystem funktionieren: Lieferzeiten pro Lieferant pflegen statt nur einen Standardwert zu hinterlegen, einen Bearbeitungszeitaufschlag als Puffer einrechnen und die automatisch berechneten Werte in regelmäßigen Abständen gegen die tatsächlich eingetretenen Beschaffungszeiten abgleichen. Solange Alternativlieferanten mit abweichenden Lieferzeiten nicht erfasst sind, bleibt jede Anzeige nach der Formel eine Prognose auf Basis eines Lieferanten, der gerade nicht liefern kann.
Schritte zur korrekten Einkalkulation von Beschaffungszeiten
- Lieferzeiten pro Lieferant erfassenNicht nur Standardlieferant berücksichtigen
- Bearbeitungszeitaufschlag als Puffer einrechnenFür unvorhergesehene Verzögerungen
- Automatische Werte regelmäßig abgleichenMit tatsächlichen Beschaffungszeiten vergleichen
Fehlerquote: welche Fehler zählen und wie man sie erhebt
Die Fehlerquote wird erst aussagekräftig, wenn Fehlerarten entlang des Ablaufs getrennt erfasst werden. Typische Blöcke sind: falsche oder unvollständige Adressangaben, nicht abgeholte Sendungen, Retouren wegen Falschlieferung oder Beschädigung sowie Reklamationen wegen fehlerhafter Produktbeschreibung. Adressfehler und Nichtabholung sind dabei nicht nur ein Kundenthema – Sendungen, die aus diesen Gründen zurückkommen, erzeugen einen zweiten Versandvorgang. Transportschäden lösen einen eigenen Bearbeitungsprozess aus, für den etwa Foto der beschädigten Ware, Foto der Verpackung und Bestellnummer angefordert werden, bevor Ersatz geliefert wird. Fehlerhafte Produktbeschreibungen berühren zusätzlich die Informationspflichten: Die Wirtschaftskammer behandelt in ihren E-Commerce-Rechtsfragen ausdrücklich, welche Informationen im E-Commerce über die Ware oder die Dienstleistung zur Verfügung gestellt werden müssen.
Als eigener, deutlich schwerer beeinflussbarer Fehlerblock kommt Betrug hinzu. 64 Prozent der Online-Shops in Österreich sind von Betrug betroffen – das zeigt eine Erhebung von CRIF aus dem Jänner 2026. Diese Fälle gehören getrennt ausgewiesen, weil sie sich nicht durch bessere Prozessführung, sondern nur durch Zahlungs- und Prüfmechanismen reduzieren lassen.
Praktisch erhoben wird die Quote als Anzahl der Fehlerfälle pro 100 Bestellungen, aufgeschlüsselt nach Ursache. Zu jedem Fall gehört die Zuordnung, ob er intern entstanden ist – etwa falsch erfasste Adresse, falsch kommissionierter Artikel – oder beim Zustellpartner, etwa Beschädigung oder fehlgeschlagene Zustellung. Ohne diese Zuordnung führt dieselbe Kennzahl zu Maßnahmen beim falschen Beteiligten.
Kosten je Bestellung: Versand, Nachsendungen und Retouren
Die erste Kostenposition ist der Versand, und sie wird an der Kasse automatisch berechnet. Beispielwerte aus den Versandbedingungen eines österreichischen Anbieters – dort ausdrücklich als anpassbare Beispiele ausgewiesen – liegen bei ab 4,90 € für Österreich und ab 9,90 € für Deutschland, mit Versandkostenfreiheit ab 120 € Bestellwert. Diese Schwellen sind eine Kalkulationsentscheidung: Jede versandkostenfreie Bestellung unterhalb der Schwelle trägt der Händler zur Gänze.
Günstigere Varianten sind die Lieferung an Abholstationen oder Abholboxen der Österreichischen Post sowie die Selbstabholung vor Ort nach vorheriger Absprache. Beide senken den Zustellaufwand, verlagern aber einen Teil der Abwicklung auf die Kundin und erfordern eine klare Kommunikation der Abholbedingungen.
Zu den Kosten pro Bestellung kommen die Kosten pro Fehlerfall. Bei fehlerhaften Adressangaben oder Nichtabholung fällt ein erneuter Versand an; im zitierten Beispiel trägt der Käufer diese Kosten, was den Händler aber nicht von der neuerlichen Kommissionierung, Verpackung und Bearbeitung entlastet. Bei Transportschäden entsteht eine Ersatzlieferung, deren Bearbeitung nur mit Foto der beschädigten Ware, Foto der Verpackung und Bestellnummer zügig abgeschlossen werden kann. Bei Lieferungen außerhalb der EU können zusätzlich Zölle, Steuern oder Gebühren anfallen, die der Käufer trägt – für die Kalkulation heißt das, dass diese Position nur schwer vorhersehbar ist und entsprechend als Risiko einzuplanen ist. Auszuweisen sind daher immer zwei getrennte Werte: Kosten pro Bestellung und Kosten pro Fehlerfall.
Vorteile und Risiken von versandkostenfreien Bestellungen
- Vorteile
- Höhere Kundenbindung, mehr Conversion
- Risiken
- Händler trägt Kosten bei Bestellungen unterhalb der Schwelle
Vom Messwert zur Verbesserung: Abläufe dokumentieren und Kennzahlen zusammenführen
Ohne schriftlich festgehaltenen Ablauf ist keine sinnvolle Messung möglich. Die Prozessschritte der Bestellabwicklung gehören daher in der Reihenfolge dokumentiert, in der sie tatsächlich ablaufen: Eingang der Bestellung, Bearbeitung, Produktion, Versand, Zustellung, Nachbearbeitung. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie detailliert das sein muss: Eingegangene Bestellungen werden im Bereich „Shop-Bestellungen“ gesammelt und einzeln ausgedruckt und abgearbeitet. Jeder dieser Schritte liefert einen Zeitstempel und eine Zuständigkeit – beides ist Voraussetzung dafür, dass ein auffälliger Kennzahlenwert überhaupt einer Ursache zugeordnet werden kann.
In der regelmäßigen Auswertung werden Durchlaufzeit, Fehlerquote und Kosten pro Bestellung gemeinsam betrachtet. Steigt die Durchlaufzeit, während die Fehlerquote konstant bleibt, liegt die Ursache in Kapazität oder Beschaffung; steigt die Fehlerquote bei stabiler Durchlaufzeit, liegt sie in der Ausführung. Bei erhöhtem Bestellaufkommen ist rechtzeitig über Verzögerungen zu informieren und bei größeren Mengen sind Produktionszeit und Liefertermin gemeinsam und verbindlich abzustimmen – beides reduziert Rückfragen und Stornos, bevor sie entstehen.
Damit die Werte wirken, müssen sie laufend gepflegt und an das tatsächliche Bestellverhalten angepasst werden. Das betrifft konkret die hinterlegten Lieferzeiten pro Lieferant samt Bearbeitungszeitaufschlag, die versandkostenfreie Schwelle im Verhältnis zum durchschnittlichen Bestellwert und die Angaben zu Produktions- und Versandzeiten im Shop, die nach jeder Änderung der Fertigungs- oder Zustellbedingungen nachzuziehen sind.
Schritte der Bestellabwicklung im Onlineshop – dokumentiert und messbar
- Eingang der BestellungSystemgestempelt im Shop-Bereich
- BearbeitungPrüfung, Zahlungsbestätigung, Freigabe
- ProduktionFertigung, DTF-Druck, Kommissionierung
- VersandÜbergabe an Österreichische Post, DPD, GLS
- ZustellungTracking-Status, Kundin informiert
- NachbearbeitungRetouren, Ersatzlieferung, Rückfragen
